
Krebsforschung an der Weltspitze
Weiterer Grosserfolg für das Werner Siemens Imaging Center (WSIC): Der Exzellenz-Cluster «iFIT», an dem das WSIC federführend beteiligt ist, wird für weitere sieben Jahre gefördert. Damit wird die bildgebende Forschung für Tumortherapien am Standort Tübingen weiter gestärkt.
145 eng bedruckte Seiten umfasst der Projektantrag, den der Exzellenz-Cluster iFIT in Tübingen im August 2024 der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Förderperiode 2026–2032 eingereicht hatte. iFIT steht für «Image-Guided and Functionally Instructed Tumor Therapies» – und einer der drei Sprecher dieses Grossverbunds ist Bernd Pichler, der Leiter des Werner Siemens Imaging Centers (WSIC). Die Vorbereitungen und das Verfassen des Antrags seien ein grosser Aufwand gewesen, sagt Pichler.
Doch einer, der sich gelohnt hat. Am 22. Mai 2025 erhielt das Tübinger Team positiven Bescheid. Damit ist klar: iFIT, der einzige Exzellenz-Cluster im Bereich Onkologie in ganz Deutschland, hat sich für eine zweite Förderperiode qualifiziert. Der Förderumfang beträgt ungefähr 54 Millionen Euro, verteilt auf sieben Jahre. Und für Bernd Pichler ist klar: «Ohne die Werner Siemens-Stiftung würde es diesen Exzellenz-Cluster nicht geben. Denn im WSIC konnten wir überhaupt erst die Kompetenzen aufbauen, dank deren wir den erfolgreichen Antrag für iFIT stellen konnten.»
Tatsächlich sind die bildgebenden Verfahren des WSIC das Kernstück von iFIT. Der Exzellenz-Cluster fokussiert auf die Erforschung und Behandlung solider Tumore, also all jener Krebsarten, die sich im festen Gewebe bilden – und nicht im Blut oder im lymphatischen System. Die meisten dieser Krebserkrankungen gelten nach wie vor als unheilbar. Ungefähr ein Drittel wird in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, oft wenn sie bereits Ableger gestreut haben.
Tumorsignale sichtbar machen
Der Forschungs- und Therapieentwicklungsansatz von iFIT beruht auf drei Hauptsäulen: In der ersten geht es darum, Zielstrukturen zur Tumorbekämpfung zu finden und molekulare Tumortherapien zu entwickeln. Die zweite befasst sich mit der Frage, wie Immuntherapien dazu beitragen können, das körpereigene Abwehrsystem gegen Tumorzellen zu aktivieren. Und die dritte, sozusagen der WSIC-Teil, entwickelt modernste Bildgebungsmethoden, um Tumorsignale zu entdecken und sichtbar zu machen.
Zudem sei die Bildgebung auch das verbindende Element aller drei Forschungsbereiche, erklärt Bernd Pichler. «Wir charakterisieren mit unseren Methoden wichtige tumorbiologische Prozesse. Wir detektieren, welche Therapieform die geeignete ist. Und wir überwachen, ob diese Therapie auch wirklich effizient ist – oder ob man eine andere in Betracht ziehen sollte.»

Mit Tempo in die Klinik
Diese Strategie hat sich während der ersten Förderperiode von iFIT bereits als äusserst erfolgreich erwiesen. Besonders beeindruckt gezeigt hätten sich die Begutachter des Antrags vom Tempo, mit dem iFIT den Transfer vom Forschungslabor zur klinischen Anwendung schaffe, erzählt Pichler. Herausgehoben wurde etwa die Entwicklung einer neuen Klasse von PET-Tracern unter seiner Leitung.
Tracer sind sehr schwach radioaktiv markierte Substanzen, die in den Körper eingebracht werden und dort an Stoffwechselprozessen teilnehmen oder sich an Strukturen auf der Zelloberfläche binden. Dank der Markierung lassen sie sich nachweisen, zum Beispiel durch sogenannte Positronenemissionstomografen (PET).
Die von Bernd Pichlers Gruppe entwickelten Tracer spüren Tumorzellen auf, die sich in einem sogenannten seneszenten Zustand befinden. Sie haben aufgehört, sich zu teilen, leben aber weiter – und können aus diesem «Schlaf» heraus das Wachstum anderer Tumorzellen ankurbeln. Insgesamt zehn verschiedene solcher Tracer hat das Team in den letzten sieben Jahren entwickelt. Einer hat sich in der klinischen Phase I bereits als sicher erwiesen und befindet sich nun in einer Phase-II-Studie.
Immuntherapien überwachen
Ein weiteres Beispiel: Das WSIC-Team hat eine einzigartige Bildgebungsplattform aufgebaut, um mit sogenannten Nanobodies bestimmte Immunzellen sichtbar zu machen. Radioaktiv-markierte Nanobodies sind PET-Tracer auf der Basis von Antikörperfragmenten. Sie sind derart klein, dass sie sehr schnell und selbst in kleinste, feinste Gewebe und Gefässe vordringen und dort für die Bildgebung benutzt werden können. Insgesamt haben die Forschenden bereits Nanobodies für sechs verschiedene Immunzell-Ziele entwickelt. Mit ihnen lassen sich Resistenzen gegen Immuntherapien nachweisen, damit rechtzeitig ein alternativer Therapieweg eingeschlagen werden kann.
Weitere Erfolge der ersten iFIT-Förderperiode sind zwei niedermolekulare Inhibitoren, drei Antikörper und sechs Peptid-Impfstoff-Therapeutika, die allesamt bereits ein erstes Mal erfolgreich beim Menschen eingesetzt wurden. Auch 50 angemeldete Patente und vier Spin-offs zeugen von der Qualität des Exzellenz-Clusters. Die Begutachter attestieren dem Forschungsprogramm gar, dass es zur Weltspitze zählt – nicht zuletzt dank der Arbeit des Werner Siemens Imaging Centers.









