Jan Steckel übernimmt die im Projekt CERES vorgesehene Professur für politische Ökonomie des Klimawandels.

Schub dank neuer
Professur

Das Projekt CERES am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat die vorgesehene Professur für politische Ökonomie des Klimawandels in Zusammenarbeit mit der TU München besetzt. Im Berufungsverfahren setzte sich PIK-Arbeitsgruppenleiter Jan Steckel gegen namhafte externe Kandidaturen durch.

Die Einrichtung der Professur sei ein toller Erfolg, freut sich Ottmar Edenhofer, wissenschaftlicher Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Leiter des Projekts CERES. Als Institut der Leibniz-Gemeinschaft kann das PIK nicht selbst Professorinnen und Professoren berufen, sondern ist dazu auf die Zusammenarbeit mit einer länderfinanzierten Universität oder Hochschule angewiesen.

«Mit der Technischen Universität München haben wir eine grandiose Hochschule als Partnerin gefunden, um die Professur für politische Ökonomie des Klimawandels zu besetzen», sagt Edenhofer. Es handelt sich um eine dauerhafte Professur: Von Herbst 2025 bis Ende 2031 wird sie über CERES am PIK finanziert und deckt eine Lehrverpflichtung von zwei Semester-Wochenstunden in München ab. Danach wird die Professur von der TU München unbefristet weitergeführt.

Auf die neue Professur berufen wurde Jan Steckel, der als Leiter des Arbeitspakets «Politökonomische Realitäten und Transformationsbarrieren» schon heute im CERES-Projekt mitarbeitet. «Umso erfreulicher ist es, dass er sich gegen die starke Konkurrenz durchsetzen konnte und seine erfolgreiche Arbeit nun in diese Professur mündet», betont Edenhofer. Die neue Professur stärke die politische Ökonomie in CERES und werde dem Projekt enormen Schub verleihen.

Ein Praktikum mit Folgen

Jan Steckel hatte bisher eine Professur an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg inne, ebenfalls in Partnerschaft mit dem PIK. Er studierte an der Universität Flensburg Wirtschaftsingenieurwesen, mit einem Schwerpunkt auf Energie- und Umweltmanagement. «Ich konnte mich zunächst nicht entscheiden zwischen einem Volkswirtschafts- und einem technisch-naturwissenschaftlichen Studium», erzählt er.

Nach dem verheerenden Tsunami von 2004 machte er – noch vor Abschluss des Studiums – ein längeres Praktikum bei einer Hilfsorganisation in Indonesien. Durch Zufall rutschte er dort in so etwas wie ein kleines volkswirtschaftliches Forschungsprojekt. «Die Hilfsorganisation wollte wissen, ob sich die Spendengelder nutzen liessen, um eine nachhaltige Energieversorgung vor Ort aufzubauen», erzählt Steckel. «Ich untersuchte mittels Befragungen, wie die Bevölkerung Energie nutzt – und ob man sie mit geringen Mitteln, etwa kleinen, autarken Haus-Solaranlagen, unterstützen könnte.»

Steckel merkte, dass er mehr Spass hatte an wissenschaftlichen Fragestellungen als an eigentlicher Entwicklungsarbeit. Und ihm wurde klar, dass die Energieversorgung in solchen Regionen eine völlig unterschätzte Herausforderung im Kampf gegen den Klimawandel ist. «In hochentwickelten Ländern Kohle, Öl und Gas durch nachhaltige Energieträger zu ersetzen, ist wichtig», sagt er. «Gleichzeitig aber haben Milliarden Menschen auf der anderen Seite des Globus das Recht auf wirtschaftlichen Aufschwung. Wenn sie dies auf dem fossilen Weg tun, geht die Rechnung nicht auf.»

So schrieb Steckel an der TU Berlin eine Doktorarbeit zum Klimaschutz und zur Energietransformation in Entwicklungs- und Schwellenländern – damals schon in Zusammenarbeit mit dem PIK. Später baute er am neugegründeten Mercator Re-search Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) eine Arbeitsgruppe zu Klimaschutz und Entwicklung auf. «In einem ersten Schritt versuchten wir zu verstehen, weshalb beispielsweise noch immer viele Länder in Kohle investieren», erzählt er.

Neue Messmethoden entwickeln

Die politische Ökonomie werde dabei immer wichtiger – der Ansatz, den die neu geschaffene Professur verfolgt. Vereinfacht gesagt, geht es dabei um die Frage, welche politischen und wirtschaftlichen Interessen die Klimapolitik prägen. Also beispielsweise: Wer verliert und wer gewinnt, wenn ein Staat umsteigt von Kohle oder Öl auf nachhaltige Energien – und wie versuchen Verlierer die Politik zu beeinflussen? «Solche Zusammenhänge müssen wir verstehen, auf der Bevölkerungsebene und auf der Ebene der politischen Eliten», sagt Steckel.  Geplant sei auch, die Methoden weiterzuentwickeln, mit denen sich solche politökonomischen Fragen messen lassen. Neben direkten Befragungen, sagt Steckel, werde man künftig auch indirekte Methoden und maschinelles Lernen einsetzen – also etwa untersuchen, was Menschen in sozialen Medien oder in Parlamentsdebatten sagen. So liesse sich nachvollziehen, wie eine bestimmte Klimamassnahme den öffentlichen und politischen Diskurs beeinflusst, oder von ihm beeinflusst wird.

Das Spannende am Projekt CERES sei die breite Herangehensweise, sagt Steckel. CERES untersucht, wie eine gerechte Bewirtschaftung von globalen Gemeingütern wie Atmosphäre, Ozeanen oder Böden aussehen könnte. Es eruiert die politischen und ökonomischen Fallstricke auf dem Weg dorthin. Und es untersucht, welche politischen Instrumente die Transformation unterstützen könnten – unter Berücksichtigung länderspezifischer Herausforderungen. Bei der Verknüpfung all dieser Forschungsrichtungen wird die neue Professur eine entscheidende Rolle spielen.