
Hochkonzentriert zu günstigem Strom
Die Tandem-Solarzellen des Forschungsteams am Fraunhofer ISE in Freiburg im Breisgau lassen sich mit einer weiteren vielversprechenden Technik verbinden: mit der hochkonzentrierenden Photovoltaik. Das erlaubt enorm hohe Wirkungsgrade mit minimalem Verbrauch der Halbleiter-Materialien.
Eine spannende Entwicklung in der Photovoltaik ist die hochkonzentrierende Photovoltaik. Dabei verstärken kostengünstige Linsen das Sonnenlicht tausendfach und bündeln es auf eine wenige Quadratmillimeter kleine Solarzelle, die es in Strom umwandelt. Die Forschenden um Frank Dimroth vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg im Breisgau sind weltweit führend bei dieser Technologie. Sie haben vor einigen Jahren eine solche Solarzelle hergestellt, die unter 665-fach konzentriertem Sonnenlicht einen Wirkungsgrad von 47,6 Prozent erreicht – das ist Weltrekord.
Die Kombination der III-V-Halbleiter-Mehrfach-Solarzellen mit der hochkonzentrierenden Photovoltaik ist ein weiterer wichtiger Teil des neuen WSS-Projektes. «Denn damit benötigen wir noch einmal 1000 Mal weniger Halbleitermaterial und kommen schneller zu wettbewerbsfähigen Stromgestehungskosten», sagt Frank Dimroth. Die Technologie ist bereits so weit fortgeschritten, dass das Team gerade eine Ausgründung namens Clearsun Energy plant, die hochkonzentrierende Solarmodule bauen und vermarkten soll. Mit dem Preisgeld aus der Endrunde des 100-Jahr-Jubiläumsprojekts der WSS hatte das Freiburger Team den ersten Schritt der Modul-Skalierung auf etwa die Grösse eines Computerbildschirms erfolgreich umgesetzt. Das Spin-off nimmt nun zwei auf vier Meter grosse Module in Angriff.
Die Herstellungsprozesse werden in zwei Labors auf dem Campus des ISE erforscht und verbessert. Auf einer Anlage werden die winzig kleinen Solarzellen auf eine Glas-Bodenplatte mit einer Leiterbahnstruktur aufgebracht. Im zweiten Schritt kommt ein kleiner Tropfen Silicon auf die Zelle und eine Glaskugel mit einem Durchmesser von nur 1,6 Millimetern. Um hohe Durchsätze in der Produktion zu erreichen, ist es wichtig, dass die Bauteile in Zukunft nicht mehr einzeln gesetzt werden, sondern alle auf einmal. Auch hier arbeitet das Team bereits an Lösungsansätzen.
Eine ausgeklügelte Idee
Frank Dimroth führt die ausgeklügelte Idee in einem Laborraum vor. Die Forschenden haben eine Schablone in der Grösse des Solarmoduls gebaut, die Vertiefungen dort aufweist, wo die Kugellinsen zu liegen kommen sollen. Werden Kugellinsen auf der Schablone verteilt, fallen sie in diese Vertiefungen. Ein Vakuum-Aufsatz greift sie dann alle auf einmal und setzt sie auf die Solarzellen im Modul. Noch bestehen Herausforderungen mit diesem System, wie Frank Dimroth sagt. «Wir müssen beispielsweise sicherstellen, dass die Linsen wirklich kugelsymmetrisch sind und sich nicht in den Aussparungen verkeilen.»
Abschliessend wird die Platte mit den Solarzellen und den Kugellinsen in einen Rahmen eingesetzt mit einem Vorderseitenglas, auf welchem weitere Linsen aus Silicon eingeprägt sind. Das Sonnenlicht wird in zwei Stufen durch Linsen und Glaskugeln konzentriert und erreicht eine 1000-fache Verstärkung der Intensität, bevor es in den Solarzellen in Strom umgewandelt wird.
Die Kosten minimieren
Hochkonzentrierende Solarmodule funktionieren dort sehr gut, wo die Sonneneinstrahlung intensiv ist, etwa in Südeuropa, den USA oder Afrika. Diffuses Licht, wie es in unseren Breitengraden oft herrscht, kann durch die Linsen nicht gebündelt werden und ginge daher für die Stromerzeugung verloren. Damit die Konzentration perfekt funktioniert, müssen die Module zudem jederzeit genau zum Sonnenstand ausgerichtet werden. Solche nachgeführten Anlagen seien heute Standard, erklärt Dimroth.
Seine Vision ist es, die hochkonzentrierende Photovoltaik zur wirtschaftlichsten Stromquelle in sonnenreichen Regionen der Erde zu machen. Zudem sei die Technologie besonders ökologisch, da sie nur wenig Energie in der Herstellung benötigt und höchste Wirkungsgrade aufweist. Um diesen Prozess wirtschaftlich zu machen, könnten die ultradünnen Tandem-Solarzellen, die das Team im neuen WSS-Projekt entwickelt, entscheidend sein. Denn heutige Konzentrator-Module verwenden III-V-Halbleiter-Mehrfach-Solarzellen mitsamt ihrem Germanium-Substrat.
«Deshalb verursachen die Zellen trotz ihrer geringen Fläche noch immer fast die Hälfte der Kosten eines Moduls», sagt Dimroth. «Die ultradünnen Zellen, die wir entwickeln, bieten die Chance, die Herstellungskosten deutlich zu senken.» Gelingt es, die hauchdünnen Halbleiter-Zellen in die Konzentrator-Module zu integrieren, liesse sich nach Berechnungen des Fraunhofer ISE in sonnenreichen Ländern Solarstrom für weniger als zwei Cent pro Kilowattstunde produzieren.

