
Vor grossem Publikum
Mit einem grossen Auftritt an der Weltausstellung in Japan hat MIRACLE II für Furore gesorgt. Derweil wird in den Labors an der Universität Basel bereits an neuen Forschungswundern getüftelt und gearbeitet.
MIRACLE II beschreitet nicht nur Forschungs-Neuland, sondern ist auch kommunikativ auf Erfolgskurs. Das Projekt, das ein robotergesteuertes Laserskalpell für minimalinvasive Knochenoperationen entwickelt, gewinnt zunehmend an Bekanntheit. Forschungsleiter Philippe Cattin, Professor für Medizinische Bildanalyse und Leiter des Department of Biomedical Engineering (DBE) an der Universität Basel, sagt: «Uns ist es wichtig, dass wir auch der Öffentlichkeit zeigen, was wir in unseren Forschungslabors entwickeln.»
Diesbezüglich brachte das vergangene Jahr dem MIRACLE II-Team ganz neue Erfahrungen. Der unbestrittene Höhepunkt war die Teilnahme an der Expo 2025, der Weltausstellung in der japanischen Stadt Osaka. Als eines von nur einer Handvoll Schweizer Forschungsprojekten durfte MIRACLE II von Mitte Juni bis Mitte August an der Ausstellung «Life» im Schweizer Pavillon seine bahnbrechende Technik einem breiten Publikum präsentieren.
Auf engstem Raum
Die Vorgabe der Ausstellungsveranstalter für die teilnehmenden Projekte war ebenso einfach wie herausfordernd: Jeder Stand musste Platz finden auf einem maximal dreiteiligen USM-Haller-Regal, also auf etwas weniger als zwei Meter Breite. Das Team von MIRACLE II schaffte es trotzdem, praktisch die gesamte Palette seiner Entwicklungen in diesen engen Raum zu packen: Virtual Reality, 3D-Druck von Implantaten, endoskopische Robotik und Lasersysteme.
Die Besucherinnen und Besucher des Schweizer Pavillons – ungefähr 8000 pro Tag – konnten somit am Stand von MIRACLE II Schädel-Implantat bestaunen, die im hauseigenen 3D-Druck-Labor des Universitätsspitals Basel von der Forschungsgruppe von Florian Thieringer hergestellt werden. Sie tauchten mithilfe des innovativen Virtual-Reality-Systems, welches das Team von Philippe Cattin entwickelt hat, in einen Schädel ein.
Und sie durften einen Prototyp des knochen- oder gewebeschneidenden Laserroboters gleich selbst bedienen. Über ein äusseres, von der Gruppe von Georg Rauter entwickeltes Antriebssystem steuerten sie ein winziges Endoskop, das in eine Kniegelenksspalte eingeführt wurde. Und per Controller setzten sie zwei Laser-Methoden – das Schneiden und das Bestimmen der Schnitttiefe – in Gang, welche die Forschungsgruppe von Ferda Canbaz im MIRACLE II-Projekt entwickelt hat.
Forschung zum Anfassen
Um den Schwung dieses Grossanlasses zu nutzen, organisierte das MIRACLE II-Team im Sommer gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie einen dreitägigen Anlass mitten in der Stadt Basel. Auf dem Theaterplatz, in unmittelbarer Nähe zum Tinguely-Brunnen, richtete es eine Art mobiles Mitmachlabor ein, um dem Basler Publikum die MIRACLE II-Technik vorzustellen und so das Verständnis für Forschung und Wissenschaft zu fördern.
Die Forschenden bereiteten ihre komplexen Themen spielerisch und publikumswirksam auf. So durften die Besucher an einem Posten eine 3D-Brille aufsetzen, damit ins Gehirn eines Patienten mit einem Aneurysma eintauchen und diese Aussackung eines Blutgefässes virtuell an der richtigen Stelle verschliessen. An einem weiteren Stand galt es, in einem «Töggelikasten» statt des Balls einen Laserstrahl ins Tor zu befördern. Und Kinder durften sich im 3D-Drucker einen Schlüsselanhänger mit ihrem Namen ausdrucken lassen.
Philippe Cattin zieht eine äusserst positive Bilanz der beiden Öffentlichkeitsanlässe. Der Arbeitsaufwand dafür sei gross gewesen, sagt er. «Aber es hat sich gelohnt. Wir konnten unsere Entwicklungen einer unglaublichen Besucherzahl präsentieren. Und wir nutzten die Präsenz an der Weltausstellung, um unsere Kontakte mit japanischen Forschungsinstitutionen und Industriepartnern auszubauen.»
Auch auf der Forschungsseite erzielte das Team im vergangenen Jahr grosse Fortschritte. So hat die Forschungsgruppe von Florian Thieringer im März einem jungen Mann ein Kinn-Implantat aus dem hauseigenen 3D-Druck-Labor eingesetzt. Es war das erste Kinn-Implantat am Universitätsspital Basel, das direkt am Behandlungsort hergestellt wurde. Zuvor hatten die Forschenden bereits selbst gedruckte Schädeldachimplantate eingesetzt. Das Ziel ist es, das Portfolio dieser patientenspezifischen, direkt im Spital hergestellten Implantate laufend zu erweitern – und langfristig solche Implantate sogar direkt in den Körper zu drucken.
Auch in der nahen Zukunft werde es bestimmt nicht langweilig, kündigt Philippe Cattin mit einem Lächeln an. «Im Laser-Labor von Ferda Canbaz etwa wird gerade an einem kleinen ‹Miracle› gearbeitet.» Wegen Patent- und Publikationsvorgaben brauche es allerdings noch etwas Geduld, bis das Geheimnis dieses neuen Forschungswunders aus der MIRACLE II-Küche gelüftet werden könne.





